Von Joaquin Quiñonero Candela

Facebook kündigt heute eine neue Partnerschaft mit der Technischen Universität München (TUM) an, um den Aufbau eines unabhängigen KI-Ethik-Forschungszentrums zu unterstützen. Das TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence, das durch eine Erstfinanzierung von Facebook in Höhe von 7,5 Millionen Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren unterstützt wird, soll dazu beitragen, das aufkommende Feld der ethischen Forschung zu neuen Technologien voranzutreiben und grundlegende Fragen zu untersuchen, die den Einsatz sowie die Auswirkungen von KI betreffen.

Künstliche Intelligenz stellt ein enormes Potenzial dar, das Menschen auf der ganzen Welt in vielfältiger Weise von Nutzen sein kann. Im Zuge ihrer weiteren Entwicklung nimmt diese Technologie jedoch auch zunehmend Einfluss auf die Gesellschaft. Daher stehen Wissenschaftler, Industrievertreter und Entwickler in der Pflicht, dies verantwortungsbewusst zu tun und sich interdisziplinär auszutauschen. Nur so kann sichergestellt werden, dass KI Vorteile für alle bringt und sich als inklusive Technologie etabliert.

KI ist bereits heute Teil des Alltags vieler Menschen und unserer Gesellschaft insgesamt. Wir haben daher eine gemeinsame Verantwortung, sicherzustellen, dass KI Menschen fair behandelt, ihre Sicherheit schützt, ihre Privatsphäre respektiert und in ihrem Sinne arbeitet.

Bei Facebook bildet der verantwortungsbewusste und umsichtige Umgang mit Künstlicher Intelligenz den Grundstein für all unser Handeln, von den verwendeten Datenlabels über die einzelnen Algorithmen bis hin zu den Systemen, in denen sie integriert sind. Hierfür entwickeln wir Tools wie Fairness Flow, mit denen jeder Entwickler auf Facebook die von ihm erstellten Modelle auf Vorurteilsfreiheit hin untersuchen kann. Wir arbeiten auch mit Gruppen wie der Partnership for AI, deren Gründungsmitglied Facebook ist, und der Initiative AI4People zusammen. KI wirft jedoch komplexe Herausforderungen auf, welche die Industrie nicht im Alleingang lösen kann. In diesem Kontext werden die unabhängigen wissenschaftlichen Beiträge des Instituts eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Stand der ethischen Forschung zu diesen Themen voranzubringen.

Die Technische Universität München ist eine der weltweit führenden Universitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz. Ihre Arbeit erstreckt sich von der Grundlagenforschung über Anwendungen in Bereichen wie Robotik und Maschinenintelligenz bis hin zur Erforschung der sozialen Auswirkungen von KI. Das Institut wird die hervorragende akademische Expertise, die Ressourcen und das globale Netzwerk der TUM nutzen, um eine tiefgreifende ethische Forschung zu den Fragen neuer Technologien zu betreiben.

Hierbei wird es auch von der Vorreiterrolle Deutschlands in der Diskussion über ethische Rahmenbedingungen für KI, so zum Beispiel die Schaffung staatlich gelenkter Ethikrichtlinien für autonomes Fahren, profitieren und arbeitet in diesen Fragen eng mit europäischen Institutionen zusammen.

Informationen zum Institut
Das Institut wird, aufsetzend auf Expertenwissen aus Wissenschaft und Industrie, unabhängige und evidenzbasierte Forschung durchführen, und die Ergebnisse der Öffentlichkeit, der Industrie, dem Gesetzgeber sowie Entscheidungsträgern aus dem privaten und öffentlichen Sektor zur Verfügung stellen. Das Institut wird sich mit Themen rund um die Nutzung und Auswirkung der künstlichen Intelligenz befassen, darunter Sicherheit, Datenschutz, Fairness und Transparenz.

Es ist das erklärte Ziel des Instituts, durch seine Arbeit zu einem breiteren Diskurs über Ethik und KI beizutragen und Forschung zu betreiben, auf deren Grundlage praxisrelevante Rahmenbedingungen, Methoden und algorithmische Ansätze bereitgestellt werden können. Diese sollen dazu dienen, KI-Entwicklern und –Anwendern ethische Best-Practices an die Hand zu geben, nach deren Leitbild Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen entstehen.

Es besteht ein hoher Bedarf an bedachter und wegweisender wissenschaftlicher Forschung in diesen Bereichen. Daher freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit dem Institut und darauf, akademische Forschungsvorhaben um den Blickwinkel der Wirtschaft ergänzen zu dürfen.

Arbeitsweise des Instituts
Das unabhängige Institut wird von TUM-Professor Dr. Christoph Lütge geleitet, Professor für Wirtschaftsethik und seit 2010 Inhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik an der TUM. In Zusammenarbeit mit einem breit aufgestellten Beirat aus Vertretern von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Industrie wird das Institut spezifische Forschungsfragen erarbeiten und Forscher einberufen, die sich mit der Ethik der KI und Fragen der Governance befassen.

„Am IEAI wollen wir gleichermaßen Praxiswissen erarbeiten und Leitlinien liefern für die Identifikation und Beantwortung ethischer Fragen der KI für Gesellschaft, Industrie und Gesetzgeber. Unsere Themen liegen dabei an den Schnittstellen zwischen Technologie und menschlichen Werten. Diese ergeben sich beispielsweise, wenn sich Menschen im Internet bewegen, Daten hinterlassen oder von Algorithmen Themen oder Nachrichten vorgeschlagen bekommen. Dabei geht es um Vertrauen, Privatsphäre, Fairness oder Inklusion. Genauso werden wir uns mit Transparenz und Verantwortlichkeit etwa in medizinischen Behandlungsszenarien beschäftigen oder mit der Gewährleistung von Rechten und Autonomie bei der menschlichen Entscheidungsfindung in der Interaktion zwischen Mensch und KI.“ – Dr. Christoph Lütge

Während Facebook die Erstfinanzierung bereitgestellt hat, wird das Institut die weitere Finanzierung durch zusätzliche Partnerschaften und staatliche Mittel anstreben. Facebook wird Tools und Branchenexpertise zu Themen wie der Behandlung algorithmischer Verzerrungen beisteuern, um die Forschern des Instituts zu helfen, sich auf reale Probleme von gesellschaftlicher Tragweite zu konzentrieren.

Das Institut wird auch die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und Kollaboration mit anderen Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet verfolgen, Konferenzen, Symposien und Workshops organisieren sowie Bildungsaktivitäten mit anderen führenden Institutionen in gemeinsamen Interessenbereichen durchführen.

Das große Potenzial der KI zum Wohle der Menschheit zu nutzen und gleichzeitig die damit einhergehenden Herausforderungen zu minimieren, ist eine globale Aufgabe, die nicht über Nacht bewältigt werden kann. Das Institut ist ein wichtiger Schritt nach vorne in unserem kontinuierlichen Streben, mit akademischen Institutionen, Regierungen, NGOs, Interessen- und Industrievertretern und anderen zusammenzuarbeiten, die sich mit den Fragen und Herausforderungen rund um die sichere und verantwortungsvolle Weiterentwicklung von KI befassen.