Von Monika Bickert, Vice President of Public Policy
(Veröffentlichung des ursprünglichen Beitrags am 18 August 2017)

In den Tagen nach dem Tod meines Mannes habe ich ihm immer wieder SMS-Nachrichten geschickt. Sein Handy lag ungeladen auf meinem Nachttisch, nur ein paar Meter von mir entfernt, und ich wusste, dass niemand die Worte lesen würde, die ich schrieb – aber ich schrieb trotzdem weiter. Ich brauchte das Gefühl, noch mit ihm verbunden zu sein. Als ich im Bett saß und Nachrichten schickte, wusste ich, dass auf meinem Handy auch aktuelle Fotos von Phil waren, die ihn lächelnd mit unseren Töchtern zeigen, und ein Video, auf dem er mit seinem Bruder scherzt, kurz bevor ich ihn ins Krankenhaus brachte. Aber diese sah ich mir nicht an, weil das zu schmerzhaft gewesen wäre. Stattdessen schrieb ich ihm einfach weiter und tat so, als würde er meine Nachrichten erhalten und bald zurückschreiben.

Wenn wir jemanden verlieren, den wir lieben, verspüren wir oft das verzweifelte Bedürfnis, uns mit ihm auf jede erdenkliche Weise zu verbinden. In solchen Momenten können unsere Handys, das Internet und soziale Medien manchmal ein Zufluchtsort sein. Wir können mit unseren Lieben reden, wie ich es tat, oder wenn wir bereit sind, uns den Erinnerungen zu stellen: in alten E-Mails, Fotos, Videos und Beiträgen schwelgen. Mit einer Einfachheit, die vor 20 Jahren undenkbar war, können wir heute unsere Lieben hören und sehen, nachdem sie verschieden sind, und wir können diese Erinnerungen mit anderen Trauernden teilen.

Aber es gibt auch Momente, in denen die Online-Welt den Verlust noch schmerzhafter macht. Erinnerungen an unsere Lieben sind überall und jede Erinnerung ist eine erneute Bekräftigung ihres Todes. Noch Monate, nachdem Phil gestorben war, weinte ich jedes Mal, wenn von Amazon ihn in einer E-Mail dazu aufforderte, seine regelmäßige Lieferung gebrauchter Kriminalromane zu bestellen, oder wenn eine Nachricht aus seiner Apotheke ihn daran erinnerte, dass seine Chemotherapie zur Abholung bereit sei. Ich halte noch immer inne, wenn ich mich bei Facebook einlogge und sehe, dass ein alter Beitrag von mir wieder aufgetaucht ist. Ich fürchte, es könnte einer der vielen sein, die ich mit Freunden im Laufe von Phils Kampf gegen den Krebs geteilt habe. Dort hatte ich seine Fortschritte im Detail beschrieben und immer wieder unseren naiven Glauben kundgetan, er würde aller Prognosen zum Trotz den Krebs besiegen.

Abhängig von den Umständen des Todes einer Person können diese Online-Erinnerungen überwältigend sein. Eine Mutter, die ihre Tochter durch häusliche Gewalt verloren hat, könnte zusammenbrechen, wenn sie online plötzlich mit Fotos vom Hochzeitstag ihrer Tochter konfrontiert wird. Ein Student, der eine Geburtstagserinnerung für einen Mitbewohner erhält, der Selbstmord begangen hat, könnte bei dem Gedanken Trauer empfinden, wie viel Liebe und Aufmerksamkeit dem Verstorbenen zuteil geworden wäre, wenn er noch am Leben wäre.

Unser Ansatz bei Facebook
Wenn Menschen nach einem persönlichen Verlust Facebook nutzen, möchten wir, dass sie sich wohlfühlen, anstatt zu leiden. Deshalb senden wir keine Geburtstagserinnerungen mehr, sobald wir wissen, dass ein Nutzer verstorben ist. Außerdem sind wir bemüht, es den überlebenden Familienmitgliedern leicht zu machen, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Allzu oft ist es jedoch schwierig für uns zu wissen, was wir mit dem Konto eines Verstorbenen tun sollen. Was machen wir zum Beispiel mit dem Konto einer verstorbenen jungen Frau, wenn einer ihrer Eltern das Konto löschen möchte, der andere es jedoch zum Gedenken für Freunde und Familie erhalten will? Woher wissen wir, was die Tochter gewollt hätte? Und was sollen wir tun, wenn die Eltern die privaten Nachrichten zwischen der Tochter und ihren Freunden sehen wollen – Freunde, die noch am Leben sind und etwas dagegen haben könnten, dass ihre Nachrichten öffentlich gemacht werden?

Diese Fragen – wie man die gegensätzlichen Interessen der Überlebenden abwägt, die Wünsche der Verstorbenen in Erfahrung bringt und die Privatsphäre Dritter schützt – gehören zu den schwierigsten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, und wir haben noch immer keine allumfassende, „perfekte Lösung“, sofern es diese überhaupt gibt. Gesetze mögen Klarheit schaffen, aber oft tun sie dies nicht. In vielen Ländern berücksichtigen die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Erbschaft von Vermögenswerten an überlebende Familienmitglieder keine digitalen Vermögenswerte wie soziale Medien oder E-Mail-Konten. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, diese Situation für alle leichter zu machen.

Die Wünsche der Verstorbenen respektieren
Wo es das Gesetz erlaubt, versuchen wir, die Wünsche der Verstorbenen zu respektieren. Manchmal wissen wir aber einfach nicht, was die Person gewollt hätte. Wenn eine hinterbliebene Ehepartnerin uns bittet, sie als Freundin in das Profil ihres verstorbenen Mannes aufzunehmen, damit sie seine Fotos und Beiträge sehen kann, woher wissen wir dann, ob es das ist, was ihr Mann gewollt hätte? Gibt es einen Grund, warum sie vorher keine Facebook-Freunde waren? Und wie wäre es zu bewerten, falls sie ihm zu Lebzeiten eine Freundschaftsanfrage geschickt hat, die er ablehnte? Was, wenn die Frau bis zum Tod ihres Mannes nie auf Facebook gewesen wäre?

Wenn wir nicht wissen, was ein Verstorbener gewollt hätte, versuchen wir, das Konto genau so zu belassen, wie es der Verstorbene zurückgelassen hat. Wenn wir vom Tod eines Nutzers erfahren, fügen wir standardmäßig „In Erinnerung an“ über dem Namen im Profil der Person hinzu, um klarzustellen, dass das Konto nun ein Ort der Erinnerung ist. Außerdem werden alle neuen Versuche, sich in das Konto einzuloggen, blockiert. Sobald wir ein Konto in den Gedenkzustand versetzt haben, bleibt das Profil auf Facebook erhalten und ist für alle Menschen sichtbar, die es sehen konnten, bevor das Profil in den Gedenkzustand versetzt wurde. Wir entfernen oder ändern nichts. Auf diese Weise respektieren wir die Entscheidungen, die unsere Nutzer zu Lebzeiten getroffen haben.

Standardmäßig werden die Konten Verstorbener in den Gedenkzustand versetzt, damit sie den Hinterbliebenen und Freunden als digitale Orte der Erinnerung dienen. Uns ist jedoch bewusst, dass manche Menschen nicht wollen, dass ihr Konto auf diese Weise erhalten bleibt. Manche Nutzer ziehen es vor, dass wir ihr Profil löschen. Aus diesem Grund geben wir den Menschen die Möglichkeit, uns mitzuteilen, dass sie ihr Konto nach ihrem Tod dauerhaft löschen lassen wollen. In manchen Fällen löschen wir auch Profile, wenn die nächsten Angehörigen uns sagen, dass der Verstorbene das Konto lieber gelöscht hätte, anstatt es als Gedenkort weiterzuführen.

Andere Menschen möchten eventuell, dass ein Freund oder ein Familienmitglied nach ihrem Tod ihr Profil als Gedenkstätte verwalten kann. Deshalb haben wir im Jahr 2015 die Möglichkeit geschaffen, einen Nachlasskontakt zu wählen. Ein Nachlasskontakt ist ein Familienmitglied oder Freund, der bestimmte Funktionen auf Deinem Konto verwalten kann, wenn Du stirbst, wie z. B. Profilbilder ändern, Freundschaftsanfragen annehmen oder Beiträge oben in der Chronik des Profils fixieren. Der Kontakt kann sich auch dafür entscheiden, Dein Konto zu löschen. Du kannst Deinem Nachlasskontakt die Erlaubnis erteilen, ein Archiv der Fotos, Beiträge und Profilinformationen, die du auf Facebook freigegeben hast, herunterzuladen, aber der Kontakt kann sich nicht einloggen oder Deine privaten Nachrichten lesen. In unserem Hilfe-Center erhältst Du weitere Informationen zu Nachlasskontakten und dazu, wie Du diese Deinem Konto hinzufügen kannst.

Schutz der Privatsphäre von Überlebenden
Selbst wenn es klare gesetzliche Regelungen gibt und die Absicht des Verstorbenen eindeutig ist, haben wir manchmal auch andere Interessen zu berücksichtigen. Wenn zum Beispiel ein Vater seinen jugendlichen Sohn durch Selbstmord verliert, könnte er die privaten Botschaften seines Sohnes lesen wollen, um zu verstehen, was sich im Leben seines Sohnes abgespielt hat. Hatte er Probleme mit seinem Studium oder Streit mit seinem Freund? So selbstverständlich es erscheinen mag, dem Vater diese Botschaften zukommen zu lassen, müssen wir auch an die Menschen denken, die mit dem Sohn Nachrichten ausgetauscht haben. Diese haben einen Anspruch darauf, dass ihre Botschaften privat bleiben.

Obwohl solche Fälle herzzerreißend sind, können wir in der Regel keine privaten Nachrichten auf Facebook offenlegen, ohne die Privatsphäre anderer Menschen zu beeinträchtigen. Bei einem privaten Gespräch zwischen zwei Personen gehen wir davon aus, dass beide Personen die Botschaften als privat einstufen. Und selbst wenn es die Umstände nahelegen, private Nachrichten Familienmitgliedern zugänglich zu machen, können Gesetze uns daran hindern.

Ein andauernder Lernprozess
Trotz unserer Bemühungen, die Wünsche der Verstorbenen und Überlebenden zu respektieren, kommt es immer wieder zu schwierigen Situationen, in denen wir die Menschen eventuell enttäuschen.

Und selbst, wenn uns die Wünsche der Verstorbenen im Detail bekannt sind und wir im Sinne ihrer Angehörigen darauf eingehen können, wissen wir, dass unser Handeln keinen großen Trost spenden kann. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, geht Trauer nicht schnell und still vorüber. Fast ein Jahr nach dem Tod von Phil bin ich noch immer beklemmt, wenn ich mir alte Fotos auf meinem Handy anschaue. Einige dieser Fotos – wie die, die ich von Phil im Krankenhaus unter der fälschlichen Annahme machte, wir würden am nächsten Tag gemeinsam nach Hause gehen – bewegen mich zu Tränen.

Aber andere, wie das, wo er am Vatertag mit unseren Töchtern stolz im Garten steht, bringen mich wiederum zum Lächeln. Diese Glücksmomente, wie kurz sie auch sein mögen, zeigen mir, dass Erinnerungen an unsere Lieben nicht zwangsläufig Erinnerungen an den Verlust sein müssen. Und dies wiederum gibt mir die Hoffnung, dass soziale Medien und der Rest unserer Online-Welt nicht unbedingt Schmerz hervorrufen müssen, sondern letztendlich unsere Trauer lindern können.